Die Wechselhaftigkeit des Lebens zu akzeptieren, ist wohl die einzige Voraussetzung für Zufriedenheit.

 

 

 


Am Wegrand

Wenn Deine Frau dich verlassen hat
Die Tatsache, dass deine Frau dich verlassen hat, ist das eine. Das andere ist: Was passiert als Nächstes? Wenn sie an ihrem neuen Partner festhält und es dabei bleibt, dann ist das für dich zwar schmerzlich, weil du einen tollen Menschen verloren hast, doch sie bleibt ein toller Mensch, und du musst sie ziehen lassen. Wenn sie ihn aber auch betrügt und sich einen anderen nimmt, dann solltest du froh sein und dir eingestehen, dass du schon zu Anfang einen Fehler gemacht hast, als du dich für sie entschieden hast. Aber wenn sich die Affäre mit ihm erschöpft, wenn sie ihn aufgibt und allein bleibt, dann musst du dich aufs Pferd schwingen, hinter ihr herreiten und sie nach Hause zurückholen.

Pygmalion im Klassenzimmer
Wissenschaftler gingen in eine Schule und machten ein paar Tests, nannten ein paar Kinder dann „Frühstarter“ und „besonders vielversprechend “. Nach einer gewissen Zeit kamen sie wieder und stellten fest, dass die Kinder, die man als „Frühstarter“ bezeichnet hatte, tatsächlich schneller vorangekommen waren als andere. Doch die Wissenschaftler hatten diese Kinder willkürlich ausgewählt. Sobald ein Etikett vorhanden ist, wird alles unter diesem Etikett betrachtet. Und Etiketten sind schwer zu ändern.

Korsett
Irgendwann wandert man weiter zurück in seine Biografie, zurück in die Jugend, zurück zu den Gefühlen auf die Eltern und den Anfängen der Beziehung. Plötzlich ahnt man, dass das Konstrukt seines Lebens ähnlich zwanghaft war wie die Handlungen, die man zuletzt immer häufiger ausgeführt hatte. Man hatte sein Leben einem starren Plan untergeordnet, hatte es vollgepflastert mit Prinzipien und Regeln, bis diese nicht mehr Hilfe waren, sondern das Leben selbst. Das selbst geschnürte Korsett hatte einen völlig gelähmt. Vor lauter Regeln hatte man den Blick für die Vielfalt des Lebens verloren, für all die Überraschungen, die es bereithielt.

Vom Wollen
Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich: Die können sollen,
müssen auch wollen dürfen.

Hunger
Das Auslassen des Frühstücks ist eine verbreitete Diätstrategie. Dass die Rechnung nicht aufgeht, zeigt sich meist beim Gang auf die Waage. Die Erklärung für das Scheitern liefert eine Studie die Schlafforscher der Harvard Medical School durchgeführt haben. 16 gesunde, aber übergewichtige bis adipöse Erwachsene verbrachten mit einer Unterbrechung von mehreren Wochen zweimal jeweils sechs Tage in einem Einzelzimmer der Klinik. Eine Gruppe erhielt das Frühstück eine Stunde nach dem Aufstehen um 9 Uhr, das Mittagessen gabe es um 13.10 Uhr und das Abendessen um 17.20 Uhr. Zwischen den mahlzeiten lagen jeweils 250 min. In der anderen Gruppe fiel das Frühstück aus, Mittag- und Abendessen blieben um 13.10 Uhr und 17.20 Uhr. Zusätzlich gab es noch einmal ein Nachtmahl um 21.30 Uhr. Beide Gruppen erhielten die gleichen Mengen an Kalorien, die auf den persönlichen Bedarf abgestimmt waren. Sie wurden angehalten, ihre Mahlzeiten ohne Reste zu verzehren. Wie das Team um Frank Scheer berichtet, hatte die Verschiebung der drei täglichen Mahlzeiten um 250 Minuten Auswirkungen auf das Sättigungsgefühl und den Stoffwechsel. Während der Tage mit späten Mahlzeiten gaben die Teilnehmer doppelt so häufig einen Wert von über 50 an, der als „hungrig“ gewertet wurde. Das Hungergefühl war begleitet von Veränderungen in den wichtigen appetitregulierenden Hormonen Leptin und Ghrelin. Interessant waren die Folgen für den Energiestoffwechsel. Bei den späten Essern wurden die Kalorien vermehrt ins Fettgewebe transferiert.

Unterschiede
Die Welt wäre mit Sicherheit ein deutlich besserer Ort, wenn wir alle derselben gemischten Rasse angehören würden. Stellen sie sich doch nur einmal vor, wie viel wir als Gesellschaft erreichen könnten, wenn wir uns nicht mehr um solche Dinge wie Haarfarbe oder äußere Erscheinung im Allgemeinen kümmern müssten.

Wahrscheinlich würden wir dann schlicht andere Gründe finden, uns voneinander abzugrenzen.

Es ist ein Irrglaube unserer modernen Welt. Wir wollen Unterschiede ausmerzen, weil wir glauben, dass alle gleich behandelt werden müssen. Aber indem wir unsere Unterschiede eliminieren und unsere kulturelles Erbe verwässern, bekämpfen wir weder Rassismus noch Bigotterie.

Wir sind alle unterschiedlich. Gleichzeitig liegt es in der menschlichen Natur, dass wir Gruppen bilden. Darauf sind wir konditioniert, denn gemeinsam sind wir stark. Das vermittelt uns ein Gefühle von Heimat und Sicherheit.

Und wo bliebe der Spaß, wenn wir alle gleich wären? Eine unterschiedslose Gesellschaft würde irgendwann aussterben. Diversität ist der Kern allen gesellschaftlichen und kulturellen Wachstums.

In der westlichen Gesellschaft herrscht die Idee vor, dass wir alle unabhängig voneinander sind und dass wir nur tun sollten, was jeweils für uns das Beste ist oder für unser unmittelbares Umfeld.

Es wäre jedoch gut, andere stets so zu behandeln, als sei es für uns von unmittelbaren Nutzen. Wir sind aus Zusammengehörigkeitsgefühl, Familie und Freundschaft gemacht und leben in einem zerbrechlichen Netzwerk von Abhängigkeiten.

Verstehen
Wir können andere Menschen nie wirklich verstehen. Zu glauben, voll und ganz zu wissen, was andere Menschen denken oder fühlen, ist einer der größten Fehler, die man im Leben machen kann.
Doch Fragen können wir immer stellen.

Gefühle
Wenn ein kleines Kind ein Bedürfnis äußert, auf das sein Vater oder seine Mutter nicht eingehen, äußert es das Bedürfnis nach einer Weile nicht mehr. Und wenn diesem Kind die Worte fehlen, fehlen ihm auch die Gedanken. Es ist die Sprache, die abstrakte Dinge wie Gefühle real werden lässt. Wenn wir sie nicht benennen, verschwinden die Gefühle.

Empathie
Empathie gegenüber anderen setzt voraus, dass man um die eigenen Gefühle weiß.
Der Retter aber hat keine Emotionen, er rettet bloß. Dem Anderen Gutes tun zu wollen, das Beste für ihn zu wollen, zu wissen glauben, was das Beste für ihn ist, ist ein Gift.

Psychoanalyse
Dies ist der Kern der aufklärerischen Idee der Psychoanalyse:
Unbewusste Motive zwingen uns zum Handeln, denn sie wirken wie Ursachen; aber wenn wir sie in bewusste Motive oder Absichten verwandeln, werden aus Ursachen Gründe, gegen die wir uns entscheiden können.

Kränkungen
Um unseren Patienten Kränkungen zu ersparen, übertreiben wir es manchmal mit der Einfühlung. Wir wissen dann „zu gut“, was sie brauchen und verzichten auf eine womöglich kränkende Deutung, mit der Folge, dass diese sich nicht entwickeln können. Doch die schmerzlichen Erfahrungen, die Patienten durch „hinreichend gute“ Deutungen machen, sind den unvermeidlichen Schmerzen vergleichbar, die Säuglinge beim Rollenwechsel der Mutter von der „optimalen Versorgung“ zur „optimalen Versagung“ verkraften müssen: Wenn die Mutter zu gut weiß, was ihr Kind braucht, hält sie es in der Symbiose und nimmt ihm den Raum für eigene Entwicklungen.

Die Anderen
Oft richten wir unser Leben nach dem aus, was „die anderen“ von uns halten, oder was wir glauben, was sie von uns halten, wer immer diese anderen auch sein mögen...

Hässlich
Hässlich in seiner eigenen Wahrnehmung. Zu dick. Das sieht man doch. Gemessen an welchen Maßstäben? Kleidergröße 44. Wenn ich noch mehr zunehme, muss ich meine Kleider in Geschäften kaufen, die auf Übergrößen spezialisiert sind.
Unser Selbstbild hängt von Modegeschäften ab? Ja, das könnte man sagen. Man hat dann das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören. Dass ich mit meinem Körper in normalen Geschäften nichts mehr finde, sondern Spezialgeschäfte aufsuchen muss. Konfektionskleidung wird für die breite Masse angefertigt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die große Gruppe jener Frauen, die häufig Kleidung kaufen, hauptsächlich Größe 44 und darunter trägt. Mehr bedeutetes es nicht. Es sagt nichts darüber aus, was schön ist oder wie man auszusehen hat.
Es sagt dagegen alles darüber aus, was gekauft wird und von wem. Die Masse ist kein Maßstab. Und was ist mit den Leuten, die die Mode entwerfen? Sie bevorzugen doch keine schlanken Mannequins, weil die Masse auch so ist. Sie tun es, weil es schöner aussieht. Männer werden aber nicht angetörnt von großen, klapperdürren Models mit einem arroganten Blick in ihren ausgezehrten Gesichtern. Sie betrachten Mannquins nicht als Frauen. Die Welt der Mode hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, sie ist eine Illusion, Kunst. Die meisten Männer stehen auf Fleisch: Hüften, Brüste, Hintern. Etwas zum Anfassen. Richtige Frauen. Keine knochigen Karrikaturen.
Ein molliger Körper steht seit Menschengedenken für Wohlstand, für Fruchtbarkeit, das ist immer so gewesen. Man braucht sich nur einmal die Gemälde alter Meister anzuschauen, um zu erkennen, wie attraktiv sie alle füllige Frauen gefunden haben. In den Ländern, in denen der Kommerz noch nicht Fuß gefasst hat, ist das bis heute so.

Entwicklung
Man kann sich nicht entwickeln und dabei keinerlei Risiko eingehen.
Um weiterzukommen, muss man loslassen.

Höflichkeit
Höflichkeit bezeichnet die Fähigkeit, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu gestalten. Ihre Erscheinungsformen sind Benehmen, das sich an den gesellschaftlichen Verhaltensregeln orientiert, Rücksicht, Achtung vor dem anderen und sich selbst sowie Bescheidenheit.
Höflichkeit korrespondiert immer mit Ehrlichkeit. Höflichkeit ohne Ehrlichkeit ist Heuchelei. Ehrlichkeit ohne Höflichkeit ist verletzend.
Höflichkeit als Hintanstellung der eigenen Interessen und Bedürfnisse ist eine sozial begründete Aggressionshemmung. Gewisse Spielregeln müssen beachtet werden. Eine übertriebene Höflichkeitsanforderung kann dazu führen, dass aggressive Impulse verleugnet oder verdrängt werden.

Bienenhof
Die Welt ist in Wirklichkeit ein großer Bienenhof und die Regeln für Bienen gelten überall: Hab keine Angst, denn keine Biene, der ihr Leben lieb ist, wird dich stechen. Aber sei auch kein Dummkopf; trag lange Ärmel und lange Hosen. Schlag bloß nicht um dich. Denk noch nicht einmal daran.
Wenn du wütend bist, dann pfeife. Wut regt die Bienen auf, während Pfeifen beruhigt.
Benimm dich so, als wüsstest du ganz genau, was du tust, selbst wenn das nicht stimmt.
Und vor allem, schick den Bienen Liebe. Jedes noch so kleine Ding auf dieser Welt will geliebt werden.

Gesundheit
Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen“.

Entscheidungen
Das Problem ist, dass wir zwar wissen, was wichtig ist, aber wir entscheiden uns nicht, es auch zu tun.
Das Schwierigste auf der Welt ist, das, was wichtig ist, auch zu tun.

Delegieren
In Vietnam gab es eine Kampfeinheit, die konstant weniger Verluste und Verletzte hatte als vergleichbare Einheiten. Der militärischen Führung ist das aufgefallen. Man wollte natürlich das Geheimnis dieser Einheit wissen. Was machen die anders, sodass sie unbeschadet aus schwierigen Situationen kommen. Es dauerte lange, bis man hinter das Geheimnis kam:  Sobald diese Einheit in die Nähe des Einsatzgebietes kam, tauschten sie untereinander die Rangabzeichen aus. Sie konstellierten die Ränge entsprechend der aktuell gestellten Aufgabe. Alle hatten ein Interesse gesund wieder zurück zu kommen. So wurde der zum „Commander“ ernannt, der für diese Aufgabe am geeignetsten erschien. Der offiziell Ranghöchste ordnete sich irgendwo weiter unten ein. Kurz bevor sie wieder zu Ihrer Truppe zurück kamen, stellten sie dann wieder die offizielle Rangordnung her.
Irgendwo ist ja vielleicht klar, dass einer, der im „zivilen“ Leben Commander einer berüchtigten Jugendlichen-Straßengang gewesen war, für manche gefährliche Kriegseinsätze als Befehlshaber besser und kaltblütiger  geeignet ist als ein Sohn aus gutem Hause mit einer Ausbildung an der Militärakademie.

Bildquelle: © johnnyb / PIXELIO

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